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04.06.2009

Litauen und Polen

Kontinent

Europa

Land

Litauen

Reisezeit

August 2003 bis September 2003

Route

u.a. Kurische Nehrung, Vilna, Kaunas, Danzig

Litauen
An einem Dienstag Ende August legte unser Schiff von Kiel in Richtung Litauen (Klaipeda / Memel) ab.
Die Überfahrt dauerte ca. 20 Stunden und war sehr angenehm. Wir konnten sogar Nachts den Mars sehen, der im August ganz hell strahlte.
Unser Hotel in Klaipeda war leider außerhalb des Zentrums.
Wir hatten in Klaipeda und Nida ( Nidden ) Zimmer im Reisebüro in Hamburg vorgebucht und die konnten seinerzeit merkwürdigerweise nichts über deren Lage sagen. Aber mit Kleinbussen klappte das Pendeln vorzüglich.
Klaipeda hat eine kleine nette Altstadt mit einem Ännchen von Tharau-Denkmal auf dem wunderschönen Theaterplatz. Wir verbrachten dort zum Eingewöhnen, Weiterorganisieren und zum Bernsteinkauf knapp zwei Tage .
An ersten Tag hier, sind wir ziellos und neugierig durch die Gegend gelaufen und hatten einen Orkan, dass sogar Dachziegel auf dem Trottoire lagen.
Donnerstag dann - bei besserem Wetter – schritten wir zum ultimativen Bernsteinkauf. Es gibt da Stände , aber auch Geschäfte und die Auswahl ist bemerkenswert. Die Preise verführten zu Masseneinkäufen.
Dann mussten wir von hier aus unsere Weiterfahrt nach Vilnius planen, denn Nida, unsere nächste Station, ist nur ein Dorf.
Den Bus nach Nida nahmen wir dann am Freitag.
Nida liegt auf der Kurischen Nehrung – so hieß es da, als es noch Ostpreußen war.
Die Nehrung ist, ähnlich wie der Darß, eine Halbinsel, wobei der Landzugang nur von Kaliningrad (Königsberg (Russland) möglich ist. Die Kurische Nehrung ist somit auch geteiltes Land, auf die Westseite kommt man nur mit Visum.
Wir haben uns die Tage auf der Nehrung wegen der spektakulären Dünenlandschaft ausgesucht und zur Erholung vor unserer geplanten Sightseeing-Tour.
Was zuerst auffiel ist das fantastische Licht am Kurischen Haff. So etwas habe ich noch nie woanders erlebt. Nida war früher auch eine bekannte Künstlerkolonie, die Maler wussten schon was schön ist.
Leider hat es am Ankunftstag tüchtig aus allen Kübeln gegossen. Wir sind dann noch zu Thomas Manns Ferienhaus getabbert, aber mehr war nicht zu machen.
Die Ostsee haben wir dann am nächsten Tag bewundern können ( die Dörfer liegen alle am Haff, zur Ostseeseite sind es ca. 30 Minuten ) und haben auch Bernsteinkrümel gefunden. Mittags begann es dann wieder wolkenbruchartig loszuregnen. Nun ja, es sollte ja auch Erholung sein.
Sonntag, endlich lachte die Sonne und wir konnten zur berühmten Dünenlandschaft wandern. Es war grandios, unglaublich, umwerfend. Mir fehlen die Worte.
Ein Augenschmaus.
Wir hatten übrigens auf der Dünenplattform noch ein nettes Erlebnis, es hat nämlich noch einer in Nida Urlaub gemacht: Herr Jauch von RTL.
Da musste ich erst mal heimlich die Kamera zücken.
Später bei der Besichtigung der ortseigenen Kirche sahen wir im Gästebuch seine Eintragung, da haben wir unser Autogramm gleich darunter gesetzt.
Montag hat das schlechte Wetter wieder Einzug gehalten, wir haben da aber sowieso Nachmittags den Bus nach Vilnius ( Wilna ) gebucht.
Vilnius, die Hauptstadt, empfing uns im Dunkeln mit warm angestrahlten Baudenkmälern. Sie hat die größte intakte Altstadt Osteuropas und ist im Weltkrieg nicht zerstört worden.
Wir hatten von Nida aus ein schönes modernes kleines Appartement in der Altstadt gebucht. Das Wetter in Vilnius war gemischt, aber sehr kalt und ich hatte nur Funktionswäsche mit, keinen dicken Pullover, keinen dickem Anorak. Zum Glück wenigstens mein Fleece.
Vilnius ist einfach schön. Keine Hauptstadt der Welt hat mehr Kirchtürme. Die Baustile ziehen sich durch alle Epochen hin. Man geht durch romantische Gässchen, bewundert liebevoll hergerichtete Ladenfronten oder einfach bombastische Kirchen
und ihre Einrichtungen.
Die Kirchen waren unter Sowjetherrschaft zum großen Teil als Warenlager u.a. umfunktioniert. Die Restaurationsarbeiten sind zum Teil noch im Gange. Es gibt auch eine Burg mitten in der Stadt. Wir haben das ehemalige Wilnaer Ghetto (die Deutschen haben 70 000 Wilnaer Juden in einem nahen Wald einfach erschossen ) umlaufen.
Ich war dann in der ehemaligen KGB Hauptstelle und habe in den Folter- und Mordkellern das Grausen bekommen.
Ich war ja von Haus aus immer eine Linke und hatte die Taten der Stalin – Ära immer ignoriert oder als Westpropaganda angesehen. Aber was da gezeigt wurde war wirklich heftig.
Am Freitag den 05.09. war wieder ein Ortswechsel angesagt.
Kaunas, auch noch in Litauen. Auch eine schöne Altstadt, nur anders.
Hier sind die Altstadthäuser alle nicht höher als 1 Stockwerk. Im neueren Teil gibt es viel Art-Deco, was ich ja auch sehr liebe.
Gewohnt haben wir in einem Belle Epoche Hotel, dass schon bessere Zeiten erlebt hatte. Dafür war es günstig und das Frühstücksbuffet war köstlich.
Uns interessierte zuerst das ehemalige KZ von Kaunas, das berüchtigte Fort IX.
Wir sind gleich am Ankunftstag hin.
Dort steht alles noch wie zur Nazizeit, die Litauer aber haben nach dem Krieg ein beeindruckendes Mahnmonument errichtet, das mich erschreckend an die Trümmer des Ground Zero erinnert.
Am Samstag hatten wir unseren ersten richtigen Sommertag in diesem Urlaub und wir konnten die Stadt genießen. Das Rathaus ist im Land als Standesamt sehr begehrt und so konnten wir fließbandartig ein Brautpaar nach dem anderen bewundern. Kaunas ist nicht sonderlich groß und 1.5 Tage sind ausreichend.
In der Nacht zum Sonntag also, bestiegen wir den Bus nach Danzig.
Wir wurden mit Kaiserwetter empfangen!
Danzig sieht wieder ganz anders aus als die Städte in Litauen, nämlich monomentaler.
Danzig ist ja im 2 Weltkrieg völlig zerstört worden und die Polen haben erst mal fast alle Steine von den Trümmern nach Warschau zum Wiederaufbau geschafft.
Und dann haben dieses Künstler der Restauration nach alten Plänen Danzig wiederaufgebaut. Wahnsinn.
Gewohnt haben wir im Dom Musica, einem Hotel der Musikakademie, was wir uns in Vilnius aus dem INTERNET geschrieben haben. Sehr schön und sauber von innen und stilvoll von außen, fast an der Altstadt.
Von Sonntag bis Mittwoch haben wir bei herrlichem Wetter das Flair dieser Stadt genossen, natürlich auch wieder Bernstein gekauft und auch sonst so einiges an Klamotten. Der Slotty steht 1:4, das macht alles preiswert. Auch in Litauen ( 1:3 ) lebt man für wenig Geld wie die Made im Speck.
Apropos, das Essen.
Wir haben geschwelgt, in herrlichen Fischgerichten, Martinsgans, Ente polnischer Art , Kuchen, Eis..... ( 1,3 Kg zugenommen ), haben das herrlich Bier getrunken.
Göttlich und wie gesagt, alles leicht erschwinglich für westliche Portemonnaies.
Mittwoch wollten wir dann als krönenden Abschluss noch mal für 2 Tage an die See.
Sopot ( Zoppot ) grenzt direkt an Danzig und ist ein traditioneller berühmter Badeort.
Luxus wollten wir uns gönnen, vielleicht sogar ins Grand Hotel.
Was war: Alles belegt, ein Kongress fand statt. Nach hängen und würgen fand die Lady in der Touristeninformation dann noch etwas an der Grenze zu Danzig.
Schöne Lage, 20 m zum wunderbaren Sandstrand.
Das Zimmer neu eingerichtet, aber echt wie Jugendherberge: 5 Betten, keine Nachttischlampen dafür Neon an den Decken. Luxus ade.
Zur Krönung zog sich der Himmel am nächsten Tag auch wieder zu.
Sopot an sich ist nett und interessant. Viele Villen aus der vorletzten Jahrhundertwende, alte Badehäuser und das Beste war die 500 m lange Seebrücke, die längste Europas.
Ein langer Strandspaziergang am Donnerstag war nachher so wolkenbruchartig verregnet, dass wir eine Taxe ins Hotel nehmen mussten. Freitag war es noch mal trocken und wir haben einen der wenigen Laumanntage des Urlaubs verbracht, so richtig in der Stadt abgehangen.
Ach ja, Klaus Kinskys Geburtshaus haben wir einen Besuch abgestattet und einen schönen Badeanzug mit Beinansatz habe ich mir gekauft.
Mit dem Nachtzug ging es dann heim und mit 4 !!! Stunden Verspätung sind wir dann in Hamburg gelandet, voller Eindrücke – ich träume heute noch von Altstadt.
Es war eine rundherum interessante Reise mit wunderschönen Bildern und der Regen.... eine Woche später denkt man nicht mehr daran.

merri-b-k