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05.10.2010

Wunderbar - doch Apartheid schwelt noch

Kontinent

Afrika

Land

Südafrika

Reisezeit

September 2010 bis September 2010

Route

Kapstadt und Kap-Halbinsel. Teil der West-Cape-Provinz mit Quartieren in Worcester, Barrydale, George, Still Bay, (nicht Cape Agulhas sondern) Struisbaai, (nicht Hermanus sondern) Kleinmond, im September

Ein Land zum Verlieben
Natürlich haben wir (Ehepaar, Ende 50) nur einen winzigen Ausschnitt gesehen. Aber der war so, dass wir uns geschworen haben: Nicht das letzte Mal. Zum einen: Die Landschaft, Flora und Fauna in ihrer Vielfalt und z.T. Einmaligkeit: Viele Arten gibt es in der Tat nur dort. Zum zweiten: Die Freundlichkeit der Menschen, egal ob white, coloured oder black; darauf werde ich zurückkommen. Zum dritten, aber das sollte nicht den Ausschlag geben: dass, was man kaufte, genoss oder aß, seinen Preis mehr als wert war.

1500 km Kaleidoskop
Weingüter wie in Deutschland oder Frankreich, Pässe wie in Utah, Farmen wie in Wyoming (Strauße zwar ..), Dünen wie im Norden Dänemarks, Vögel wie im Wattenmeer (z.T. sogar entfernte Verwandte), Brandung wie .. weiß ich nicht, Hawaii?, Buchten wie .. weiß ich auch nicht, Karibik?. Das alles konnte man in ganz lockeren sieben Tagen sehen.

Gastfreundschaft
Dank der Hilfe von West Cape Tourism, namentlich Romano Hoffman, hatten wir Quartiere ein wenig abseits der touristisch bekannteren Orte. Das war gut so: Preis - Leistung hervorragend; in der Regel großes sauberes Zimmer und reichhaltiges Frühstück für 550 - 600 ZARand (z.Z. 9 ZARand für 1 Euro). Was wir nicht vermisst haben, war der z.T. betriebene Hype um die Attraktionen (insbesondere Whale Festival in Hermanus; Wale haben wir in großer Zahl an mehreren anderen Stellen gesehen.)

Ein Land unterwegs aus der Apartheid
Zwar ist durch den Mut von - pars pro toto - de Klerk und Mandela die Apartheid seit sechzehn Jahren aufgehoben. Aber so, wie in Deutschland die Dauer einer Generation nötig scheint, die mentalen Folgen der Mauer zu überwinden, so braucht auch Südafrika Zeit, die mentalen Folgen der Apartheid zu überwinden. Zu viele sind es noch, die geprägt sind durch "Initiative lohnt sich nicht" und die Wohltaten vom Staat erwarten - um sie randwendend in Alkohol umzusetzen. Faktisch sind heute auch die Townships noch so, dass es unglaublich schwer ist, aus diesem Teufelskreis zu entfliehen. Das Problem wird noch verschärft dadurch, dass seit der Abschaffung der Apartheid Schulgeld verlangt wird - man kann sich nur an den Kopf fassen. Aus diesem Nährboden heraus ist Südafrika kein Reiseland ohne Risiken: Wir haben den Rat, vor der Dunkelheit unser Quartier zu erreichen, eisern eingehalten.
Leider scheint es auch so zu sein, dass die aktuelle überwiegend schwarze Regierung kein guter Sachwalter schwarzer Interessen ist: Es lehnt sich die junge schwarze Generation gegen die schwarze Führungsriege auf, um der Korruption Herr zu werden.
Nicht zuletzt sind in keinem uns bekannten Land der Erde die Unterschiede zwischen den Ärmsten und den Reichsten größer als hier. Kein Wunder daher, dass man selbst als Tourist, der nur eine Woche beruflich und eine Woche privat dort war, die Spannungen spürt.

ThW